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Nicole Rauscher Akademie

23 Februar, 2012

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Die Elternentmündigung als historischer Prozess

 

Die Vorgänge von der Elternerziehung zur Expertenbetreuung geschehen im Namen des Kindeswohls. Das ist ein schleichender Vorgang auf mehreren Gesellschaftsebenen neben- und nacheinander, durch:

 

  • vermehrte Erziehungskontrolle des Staates
  • ‚Erziehungspartnerschaft’ mit den Schulen
  • Verkauf der Elternzeit als Arbeitszeit an die Wirtschaft
  • den Versuch der Gleichschaltung von Frau und Mutter
  • Medizinisierung des Gesundheitsbewusstseins der Eltern
  • psychologisches Entwicklungs- statt Wachstumsdenken
  • Justifizierung von Erziehungshandlungen

 

Erläuterungen: Unser Grundgesetz verpflichtet den Staat zur Überwachung der Eltern, nicht aber zu ihrer Bildung. Die entlassenen Eltern und die verschobenen Jugendlichen fühlen sich nutzloser denn je, die Ämter sind überfordert.// Bestellten früher Eltern die Lehrer ihrer Kinder zu sich ins Haus, so bestellen heute die Lehrer die Eltern zu sich in die Schule. Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Elternhaus darf nicht dazu führen, dass sich die ausgebildeten Lehrer gegenüber den ‚unausgebildeten’ Eltern überlegen fühlen. Eltern können wohl die Schule, nicht aber die Schule die Eltern ersetzen.// Hauswirtschaften regeln heute nicht mehr die Betriebswirtschaften, sondern umgekehrt. Es gibt Ökonomie, aber nicht mehr ‚Oikos’, das ‚glückliche Haus’ als Wirtschaftsmodell.// Eltern müssen mühsam von der Vereinbarkeit zwischen ‚Familie und Beruf’ abgerungene Erziehungszeiten als Arbeitszeit an die Betriebe verkaufen, um zuhause überhaupt hauswirtschaften zu können. Was Eltern brauchen sind nicht kinder-, sondern elternfreundliche Betriebe. //Ohne solche Kehrtwendungen wollen familienbewusste Frauen nicht wirtschaften und karriere-bewusste Frauen nicht gebären. Im ‚glücklichen Haus’ herrschte geschlechtliche Arbeitsteilung. Unter wirtschaftlichem und politischem Aspekt sind Männer und Frauen 1:1 gleich. An der Erziehungsaufgabe aber sind Frauen naturhaft anders beteiligt als Männer und Mütter anders als Frauen. Wer Ungleiches gleichschalten will, schafft nur neue Ungleichheiten.// Um die Wende zum 19. Jahrhundert entdeckte die Medizin das Kind. Hundert ärztliche Erziehungsratgeber für Mütter kamen auf den Markt. Der medizinische Segen wurde zum erzieherischen Nachteil. Aus erzieherischer Gesunderhaltung wurde mehr und mehr medizinische Krankheitsvermeidung. Es dauerte nicht lange und Ärzte hielten sich für die besseren ‚Erzieher’. Noch heute gehen Eltern mit ihrem Kind lieber zum Arzt als zu einem Pädagogen, die es für solche Problemfälle ja auch gar nicht gibt. Gesunde Kinder werden heute in Kranken-Häusern geboren werden. Viel elterliches Erziehungs- und Geburtswissen ist inzwischen verloren gegangen – auch bei den Hebammen.// Für das Lernen sind die Lehrer zuständig, für die Entwicklung als Erziehungsersatz die Psychologen, für die Aufsichtsfragen die Juristen. Die Gesellschaft braucht die Eltern eigentlich nur noch zum Gebären und zum Aufpassen. Wir sind inzwischen in einer elternlosen, sozialwissenschaftlich gesteuerten, in viele heilende, bildende, betreuende, kontrollierende, bevormundende Kinderberufe aufgesplitterten Kinderentwicklungspraxis angekommen.

 

Eltern ihr natürliches Erziehungsrecht zurückgeben

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