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23 Februar, 2012
Das Kernproblem für all die ausgeführten Negativerscheinungen auf dem Gebiet der Erziehung ist die fehlende ‚Erziehung’ in der Erziehungswissenschaft. Seit ihren Anfängen vor 250 Jahren hat die Erziehungswissenschaft ihren eigentlichen Gegenstand nicht eindeutig und allgemeingültig bestimmen können. Erziehungswissenschaft ist bis heute mehr Lehrer- und Staatswisssenschaft geblieben als Erziehungswissenschaft geworden. Die Forschungsgegenstände sind Bildung und Unterrichten oder Helfen und Heilen, nicht aber Erziehen. Erziehung ist nur der irreführende Sammelname dieses Wissenschaftszweiges. Zwar wurde in seinen Anfängen das erzieherische ‚Genie der Mütter’ erkannt und anerkannt, aber gleichzeitig die fehlende Genialität der Wissenschaft zu seiner Erforschung beklagt und in Aussicht gestellt. Wonach gesucht wurde, ist bis heute nicht gefunden. Was die Wissenschaft nicht finden kann, darf es schließlich nicht geben. So ist die Erziehungswissenschaft heute mehr damit beschäftigt, den Erziehungsbegriff abzuschaffen und durch den psychologischen Entwicklungsbegriff zu ersetzen, als ihn zu bestimmen. Die Erziehungswissenschaftler sprechen von ‚Begriffsauflösung’, ‚Begriffswirrwarr’, von ‚Sprachverwilderung’, ohne sich selbst für diesen verwilderten Zustand verantwortlich zu fühlen. Wir müssen davon ausgehen, dass der herrschenden Erziehungswissenschaft das, was unter ‚Erziehung zu verstehen ist’, immer noch unbekannt und sogar unangenehm ist. Die Folge ist: auch unser wissenschaftliches Erziehungsbewusstsein hat nur die Qualität von ‚Ansichtssache’. Wir können die Frage nach der Erziehung bis heute nur dogmatisch oder ideologisch beantworten, nicht aber systematisch und erziehungswissenschaftlich. Da der Gegenstand ‚Erziehung’ offiziell nicht eindeutig bestimmt ist, können ‚Erzieher’ und Erziehungswissenschaftler auch nicht sachlich entscheiden, ob ein konkretes Tun erzieherisch ist oder nicht. Solche Unklarheiten machen jedes Gespräch über Erziehung, so schwierig, so emotional, so kompliziert und auch so beliebig. Das herrschende Erziehungsbewusstsein riesig und ohne fachliche Grenzen. Deshalb gibt es Erziehung in der Lehre und Forschung wie in der gesellschaftlichen Praxis nur als ein Bündel von Führungsstilen und Sozialtechniken oder als ein bestimmtes Programm von Organisationsregeln oder eben als Werte- und Tugendkataloge. Die Grenzen des Erzieherischen sind begriffsoffen und werden erst sichtbar, wenn Handlungen kriminelle Züge annehmen. Seit der Auflösung des praktischen Traditionsmaßstabes ist die klärende und ordnende Kraft eines theoriegestützten Erziehungsbewusstseins bis heute eine nicht eingelöste Notwendigkeit geblieben.
Eine bessere Erziehungswissenschaft ist möglich
® 2011 Nicole Rauscher Akademie
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