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23 Februar, 2012
Solange Eltern Erziehung von ihren Eltern lernten, war Elternbildung einfach, ökonomisch und nachhaltig. Die Lehr-Lern-Form war ein naturgewachsenes traditionsreiches Meister-Schüler-Verhältnis. Diese Elternbildungssystematik kehrt in der Form niemals mehr zurück. Was Erziehung ist und wie man sie machen soll, vermitteln heute die öffentlichen Medien, eine widersprüchliche Ratgeberliteratur und sehr verschiedenartige Elternkurse. Es herrscht ‚außengeleitete’ Vielfalt der Meinungen und Handlungen bis an die Grenze der staatlichen Überwachung der elterlichen Erziehung: ‚Alles geht’ und ‚jeder macht sein Ding’. Alles ohne Grenzen mit dem Ruf nach mehr Kompetenzen. Für das Eine engagieren sich in der Elternbildung vorwiegend Gesinnungsberufe, wie Pfarrer, Lehrer, Missionare für das Andere mehr die Macherberufe, wie Ärzte und Psychologen, inzwischen auch Managerberater und Coaches. Die einen beziehen sich in ihrer Bildungsarbeit auf vorgegebene Welt- und Menschenbilder, auf Tugend- und Wertekataloge, die anderen auf Ver-haltenscluster und Sozialtechniken, auf Organisationsregeln und sozialpsychologische Persönlichkeitstheorien. Die eine Position hat einen historisch-kritischen, die andere einen hypothetisch-konstruktiven Wissenschaftshintergrund. Beide Bildungsinhalte gehören erzieherisch zusammen. In Einstellungstests stufen Eltern die Tugend der Ehrlichkeit ganz hoch ein, halten aber das erzieherische Mittel der Notlüge durchaus für erlaubt. Die gleiche Spaltung lässt sich auch in Fragen der körperlichen Züchtigung beobachten: Eltern wollen nicht schlagen, tun es aber doch. Elterliche Erziehungsentscheidungen lassen sich nicht in moralische Vertretbarkeit und technische Machbarkeit aufspalten. Sowohl in der Person als Eltern als auch in der Sache als Erziehung bilden Moral und Technik immer eine erzieherische oder auch zerstörerische Einheit. An dieser Einheit zwischen den Polen hat Elternbildung anzusetzen, soll sie mit der Kindererziehung in einen synergetischen Fluss kommen. Die herrschende Elternbildung mag die Kindererziehung durchaus im Blick haben, ihr fehlen aber die fachliche, erzieherische und erziehungswissenschaftliche Konzentration. Viele Bindestrichpädagogen sind in der Elternbildung tätig, woran es mangelt, sind ausgebildete Eltern- und Erziehungspädagogen, die die Grenzen der Erziehung nicht erst in der Gefährdung durch Kriminalität erkennen und bestimmen können und die wissen, dass sich Kindererziehung nicht in sozialtechnische Konfliktlösungsstrategien und Ordnungsregeln auflösen lässt. Eine gelingende Elternbildung braucht eine ganzheitliche Erziehungstheorie, die nicht nur so heißt, sondern auch genau das ist, wie sie heißt, nämlich: Erziehung!
Ohne Erziehungstheorie keine wahre Elternbildung
® 2011 Nicole Rauscher Akademie
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