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Nicole Rauscher Akademie

23 Februar, 2012

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Universität als Elternbildungsort?

 

Wo sollen Eltern Elternsein und Erziehung lernen? Das ist zu einer gesellschaftlichen Existenzfrage geworden, nachdem sich der systematische Bildungsort in den Elternhäusern selbst nahezu aufgelöst hat. Ist Universität nicht viel zu hoch angesiedelt, nachdem Elternbildung insbesondere in ‚bildungs’-fernen Schichten um niedrigschwellige Bildungsangebote bemüht ist? Niedrigschwelligkeit ist kein Argument, denn die stellt die höchsten Bildungsanforderungen. Auf die Schulbank sollte man Eltern nicht setzen. Eltern sind keine Schüler mehr, sondern bereits Meister ihres Fachs. Das Grundgesetz selbst hat sie dazu bestellt. Indem Eltern ein Kind gezeugt haben, haben sie ihr Meisterstück bereits abgelegt. Die Gesellschaft kann nicht erwarten, dass Eltern die Bedingungen der Meisterprüfung kennen und einhalten, wenn niemand ihnen diese vorher vermittelt hat. Die Eltern tun in der Erziehung, was sie können, aber tut auch die Gesellschaft in der Elternbildung, was sie kann? Je niedriger der Leistungsstandard der Eltern ist, umso höher müssen doch die Bildungsanstrengungen der Gesellschaft werden. Die Elternaufgabe ist letztlich nicht delegierbar. Die Vielfalt der elterlichen Erziehungsentscheidungen ist nur alltagspraktisch zu bewältigen. Ein einheitliches Wissen über die Praxis der Kindererziehung ist nicht möglich und auch nicht gefragt. Das ist auch nicht universitäre Aufgabe. Universitas bedeutet wörtlich so viel wie die Umwendung der Vielfalt des Einzelnen in die Einheit des Vielen. Alle Eltern sind anders und doch ist ihre Aufgabe immer und überall die gleiche. Gleiches gilt für den Lehrer im Unterricht, den Arzt am Krankenbett, den Kaufmann in der Wirtschaft, den Richter im Gerichtssaal. Diese Berufe werden alle wissenschaftlich in der Universität erforscht und gelehrt. Elternbildung als Studiengang und Elternbildung als gesellschaftliche Aufgabe sind eben zwei verschiedene Seiten der gleichen Medaille. Die höchste Bildungsinstitution der Gesellschaft braucht höchste Bildungsqualifikation. Das sollte auch insbesondere für die Erziehungswissenschaft so bleiben. Aber warum sollte die Einbeziehung der Elternbildung als Aufgabe die wissenschaftliche Qualifikation der Studenten beeinträchtigen. Die Einbeziehung der Krankenheilung in die medizinische Universitätsausbildung behindert die wissenschaftliche Professionalisierung der Ärzte doch auch nicht. Elternbildung könnte vielmehr das Fach Erziehungswissenschaft seinem eigentlichen Ursprung wieder näher bringen, so die erziehungswissenschaftliche Forschung und Lehre modifizieren und neu orientieren und für viele ‚Erziehungs’-Berufe, wie Hebammen, Kindergärtnerinnen, Lehrer, Kinderärzte, Jugendrichter und für Eltern wieder interessanter und wichtiger machen.

 

Eltern und Elterlichkeit gebührt die höchste Bildung

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