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23 Februar, 2012
Kindererziehung ist das natürliche Recht der Eltern. Wenn Eltern Kinder erziehen, dann sind sie immer schon einmal selbst erzogen worden. In der Erziehung ihrer Kinder vollenden sie die Erziehung ihrer Eltern in eigener Verantwortung. Wie immer meine frühere Erziehung auch gewesen sein mag, sie hat Einfluss auf die jetzige. Denkt man das weiter, dann sind auch unsere Eltern wiederum von deren Eltern erzogen worden und diese wieder von deren und so weiter. Erziehung ist ein Endlosband der Verantwortungsübergabe für die Weiterführung des Lebens. Gehe ich nur 12 Generationen zurück, also bis in die Zeit als Bach Musik machte, dann sind an meiner Erziehung 4096 ganz unterschiedliche Menschen oder 2048 sehr verschiedene Paare beteiligt. Man stelle sich all diese Besonderheiten und Merkwürdigkeiten der Menschen einmal im Lichte seiner eigenen Eigenarten vor. Fragt man weiter, so stößt man auf die Frage: ‚Wo sind die ersten Väter und Mütter’? Auf solche Fragen, woher wir kommen, wohin wir gehen, warum wir hier sind, weiß nur die Natur selbst eine Antwort. Erziehungs- und Elternfragen reichen einerseits bis ins Unendliche, andererseits immer auch in ganz konkrete gesellschaftliche Probleme: Geburtenrückgang, demographische Anomalien, mangelnde Ausbildungsreife, Fachkräftemangel, Misstrauen gegenüber Schule und Eltern. Erziehung geht nicht nur durch Menschen, sondern auch durch Zeiten. Seit der Industrialisierung wurde viel Erzieherisches Leid für wirtschaftlichen Erfolg in Kauf genommen. In den Kriegen wurden zunächst die Väter, dann auch die Mütter aus ihren Erziehungsverhältnissen herausgerissen. Im Nationalsozialismus, in der antiautoritären Studentenbewegung, seit den Pisastudien wird die Erziehung ideologisiert und instrumentalisiert. Die Folge ist: Erziehung hat heute für viele Menschen einen negativen Klang hat. Die Zeiten und die Ahnen haben uns unfrei gemacht für das Erziehungsthema. Nach außen verteidigen wir unsere Eltern: ‚Ich hab auch Kloppe gekriegt, na und hat es mir geschadet?’ Nach innen klagen wir sie an: ‚Mit besseren Eltern wär mehr aus mir geworden’. Erziehung steckt in tiefen bewussten und unterbewussten Legitimationskrisen und Widerständen. Wollen wir für die Zukunft an der Erziehung unserer Kinder etwas ändern, dann müssen wir an dem Erzieherischen und Elterlichen etwas ändern, das wir alle schon seit langer Zeit je auf eigene Weise in uns tragen. Da wir alle Eltern hatten und erzogen wurden, ist die geistige Bereitschaft zu solchen Veränderungen eine kollektive und zugleich ganz individuelle Anfangsaufgabe jeder Elternbildung.
Etwas ändern wollen heißt: erst sich selbst ändern
® 2011 Nicole Rauscher Akademie
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